Anne Sasson

Klassische Tierhomöopathie

Liebe Tierhalter,

nach einer sommerlichen Sendepause kommen nun die Themen der Ausgabe September 2011:

1. Ernährung: das Ei
2. 
Aus der Phytotherapie: der Weihrauch
3. Komplexmittel: aus Sicht der klassischen Homöopathie


Ernährung: das Ei

Das Ei zeichnet sich durch einen hohen Gehalt anhochwertigen Proteinen aus. Außerdem steckt es voller Vitamine und Mineralstoffe:  

Eiweiß: 7,68 g " Fett: 6,78 g " Kohlenhydrate: 0,42 g " Calcium: 30,24 mg " Eisen: 1,2 mg " Vitamin D: 1,74 µg " Vitamin K: 5,34 µg " Vitamin B12: 1,14 µg " Biotin: 15,0 µg " Selen: 6,0 µg " Energie: 388 kJ 

Das Sonntagsfrühstück unserer Hunde können wir also durchaus mit einem leckeren Ei ergänzen (bei größeren Hunden sogar zwei). Allerdings wird das rohe Ei vom Hund nicht gut verwertet, weil die Verdaulichkeit des Eiklars lediglich 50-70% beträgt. Wird das Eiklar gekocht, steigt seine Verdaulichkeit auf 90%. Das Eigelb hingegen wird auch roh zu 94% gut verdaut. Darüber hinaus enthält das rohe Eiklar Avidin, welches das wertvolle Vitamin Biotin im Eigelb zerstört. Das Avidin wird wiederum ganz einfach außer Gefecht gesetzt, in dem man das Eiweiß in heißem Wasser stocken lässt oder brät. Biotin ist zwar wichtig für ein gesundes, glänzendes Fell, es ist in anderen Futtermitteln (z.B. Leber) in ausreichenden Mengen erhalten, so dass das gelegentliche Füttern roher Eier einem gesunden Hund nicht schadet. 

Eier sind besonders für Hunde mit geringer Fresslust geeignet. Sie haben ein günstiges Verhältnisses von Protein zu Energie und können deshalb gut bei Diäten eingesetzt werden. 

Ein weiterer wichtiger Grund, Eier zu füttern, steckt eigentlich in der Eierschale, einer wahren Kalziumbombe
100g Eierschalen enthalten ca. 36g Kalzium - In Teelöffeln umgerecht ist es etwas anschaulicher: 1 TL = 5g gemahlene Eierschale = 1,8 g Kalzium - ein ausgewachsener Hund benötigt ca. 75 mg Kalzium pro Tag. Wenn Hund 30 Kg wiegt und 75 mg Kalzium pro kg benötigt, rechnet man den täglichen Bedarf des Hundes wie folgt: 75 mg x 30 kg = 2250 mg = 2,25 g Kalzium am Tag. Das entspricht einem gehäuften Teelöffel (genau 1 ¼ TL) am Tag. 

Zum Abschluss das Rezept für die gemahlene Eierschale: Sie werden ganz kurz im lauwarmen Ofen getrocknet (z.B. wenn dieser nach dem Gebrauch abkühlt) und anschließend gemahlen. Mein Lieblingsgerät ist das Nudelholz: getrocknete Eierschale in eine stabile Plastik- oder Gefriertüte geben, ein paar Mal mit dem Nudelholz hin und her und schon hat man relativ mühelos ein ganze Menge Pulver. Eine hervorragende und preiswerte Alternative zu Kalziumcitrat und -carbonat. 

Aus der Phytotherapie: der Weihrauch

Der Name Weihrauch bezeichnet sowohl die Pflanze (bot.: Boswillia) als auch der Harz, der aus dieser gewonnen wird (Olibanum).  In der Naturheilkunde wird insbesondere zwischen boswillia sacra und boswillia serrata unterschieden: Die erste wächst in Somalia und Äthiopien, die zweitere in Indien. Inzwischen sind viele Studien und Dissertationen zu den verschiedenen Wirkungen des Weihrauchs veröffentlicht worden, doch schon die alten Ägypter und Römer und im Mittelalter die Europäer (s. Hildegard von Bingen) wussten die kostbaren Harze einzusetzen.  

In der modernen Medizin wird der Weihrauch aufgrund seines entzündungshemmenden Wirkstoffs, der Boswellia-Säure, eingesetzt. Akute Entzündungen sind als Abwehrprogramm des Immunsystems zu verstehen: Dringen beispielsweise Bakterien oder Viren in den Organismus ein, werden sie von Leukozyten (weiße Blutkörperchen) vernichtet. Dies geschieht teilweise unter Schmerzen und mit Fieber, führt aber zur Heilung. Ist eine Entzündung chronisch geworden (z.B. Arthritis), muss sie aber aufgehalten werden. Die Bosewellia-Säure wirkt auf die Leukotrienen: Das sind Fettsäuren, die sich in den weißen Blutkörperchen befinden und im Zusammenhang mit allergischen und entzündlichen Prozessen stehen. In der Humanmedizin wird insbesondere der indische Weihrauch in chronisch entzündlichen Erkrankungen eingesetzt: Morbus Chron, Polyarthritis, Rheuma oder auch Asthma bronchiale.

 

DasOlibanum wird nach Anschneiden der Rinde des Weihrauchbaums als milchweiße Emulsion gewonnen und härtet an der Luft zu Gummiharz. Es enthält zu zwei Dritteln Harze wie Boswelliasäure, ca. 20% Gummi, Bassorin, Bitter- und Schleimstoffe sowie 5-10% ätherisches Öl. 

Weihrauch wirkt schmerzlindernd, beruhigend (es wird dem Harz sogar eine gemütsaufhellende Wirkung zugesprochen!), entzündungshemmend und immunstimulierend.

Bei Hunden wird Weihrauch insbesondere bei entzündlichen Gelenkschmerzen eingesetzt. Es ist, neben MSM und Glucosamin, ein Bestandteil einiger fertigen Gelenkpräparaten, man kann Weihrauch aber auch einzeln in Tablettenform beziehen (sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin).

Komplexmittel aus Sicht der klassischen Homöopathie


Das Thema Komplexmittel wird sehr kontrovers diskutiert, ich möchte deshalb im Rahmen meines Newsletters aus dem Blickwinkel der klassischen Homöopathie meine Meinung äußern und begründen.

Wenn man es genau nimmt  und das tue ich  sind Komplexmittel nicht homöopathisch, weil klassische Homöopathen ausschließlich mit Einzelmitteln arbeiten. Und zwar mit dem Mittel, das dem Patienten entspricht, nicht der Erkrankung. Was bedeutet es, wenn jemand sagt, dass er Schnupfen hat? Dem einen läuft die Nase permanent, dem anderen nur bei Luftzug oder wenn er in ein warmes Zimmer eintritt, der Dritte hat dagegen eine verstopfte Nase, nur morgens. Lassen wir mal die genauen Beschreibungen der Absonderungen beiseite, die müsste man aber auch in Erfahrung bringen. Und natürlich alle weiteren Symptome und Modalitäten (bei Wärme besser/schlechter, braucht Gesellschaft/will lieber alleine sein, ist weinerlich/ärgerlich usw). So wird klar, dass das Mittel, das meinen Schnupfen geheilt hat, beim Nachbarn nicht zwangsläufig helfen wird.

Wenn ich im Repertorium nach Schnupfen suche, kommen 328 Mittel, darunter 22 hochwertig. Natürlich haben manche dieser Mittel mehr Bezug zur Erkrankung als andere, was dann die Auswahl noch etwas weiter einschränkt. Es bleibt trotzdem eine ganze Menge Mittel über, die es zu differenzieren gilt.

Das bedeutet eine Menge Arbeit. Deshalb kam man auf die Idee, eine größere Auswahl von Mitteln zusammenzuwürfeln, nach dem Prinzip: Eins davon wird schon helfen. Der therapeutische Ansatz ist ganz und gar schulmedizinisch. Gegen Schnupfen gebe ich Schnupfikum - undifferenziert, für alle Patienten. 

Schön und gut. Aber warum soll ich mich mit mühsamer Differenzierung quälen, wenns auch einfacher geht? 

Viele Tierhalter können bestätigen, dass sie nach der Gabe von Komplexmitteln eine Wirkung feststellen. Das zweifle ich auch nicht an. Aus Sicht des Homöopathen ergeben sich jedoch bei der Verschreibung von Komplexmitteln folgende Probleme:

- in den Zusammensetzungen finden wir fast immer einige Mittel, die gegeneinander wirken. 
Auch wenn sich das richtige Mittel darunter befindet, wird das Komplexmittel nicht wirken können.

- In den Zusammensetzungen befinden sich Mittel, die in die richtige Richtung gehen aber eben nicht ganz richtig sind (also nicht ganz genau meinem Schnupfen entsprechen). Wenn man diese Mittel in häufigen Wiederholungen derselben Potenz gibt (wie das bei Komplexmitteln der Fall ist), kann man eine positive Wirkung oberflächlich feststellen. Dabei ist die Erkrankung nur unterdrückt. Mein Schnupfen ist weg: Ich freue mich riesig. 2 Monate später bekomme ich eine Darmentzündung. Die Erkrankung ist ein Stufe tiefer gewandert, von der Nase in den Darm, von einem vergleichsweise unwichtigen zu einem wichtigeren Organ ... Zunächst sieht man keinen Zusammenhang, es sind ja zwei verschiedene Sachen, die eine hat mir der anderen ja nichts zu tun. Oder doch? In der Praxis sehen wir sehr oft, wie an einer Stelle unterdrückte Erkrankungen ein Schlupfloch suchen, um wieder in Erscheinung zu treten. 

- Komplexmittel werden in häufigen Wiederholung einer unveränderten Potenz verabreicht: Dadurch kann es zu einer sog. Arzneimittelprüfung kommen. Der Patient entwickelt Symptome aufgrund der Überdosierung eines oder mehrerer enthaltener Mittel. Der Zusammenhang mit der Komplexmittelgabe wird meistens nicht erkannt, auch hier man nimmt einfach an, dass der Patient jetzt unter einer anderen Krankheit leidet. 

Zusammenfassend kann man also sagen, dass es sich bei Komplexmitteln nicht um eine Therapieform im Sinne der klassischen Homöoapathie handelt. Es ist durchaus möglich, dass man mit Komplexmitteln eine Linderung der Symptome erreicht. Dabei sollten mögliche Unterdrückungen und Arzneimittelprüfungen, die auf die Verabreichung von Komplexmitteln zurückzuführen sind, nicht außer Acht gelassen werden.

Machen Sie's gut und bis zum nächsten Mal...
Ihre
Anne Sasson

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Viele Informationen finden Sie bereits auf www.berlin-tierhomoeopathie.de 

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