Tierische Fette: Welches ist das Beste für deinen Hund?

Kaum ein Fütterungsthema sorgt für so viel Kopfzerbrechen wie das Fett. Zum einen wird Fett sehr häufig völlig zu Unrecht verteufelt. Dazu kommt, dass die verschiedenen Fett- und Ölsorten immer wieder durcheinandergeworfen werden.
Die einen schwören auf Leinöl, die anderen geben lieber Krill- oder Algenöl. Die Tipps und Ratschläge zeigen oft in sehr unterschiedliche Richtungen. Dabei sollten zwei grundsätzliche Aufgaben von Fetten und Ölen grundsätzlich getrennt werden: Fett versorgt einen Hund mit Energie, Öle liefern ihm gezielt wichtige Fettsäuren, die ihm ggf. fehlen.
In diesem Artikel möchte ich detailliert auf die Rolle des Fettes als Energielieferant eingehen und dir einen Überblick über die verschiedenen tierischen Fettquellen geben.
Im nächsten Blog-Artikel gehe ich dann auf pflanzliche Fette und Öle ein.
Tierische Fette als Energielieferant für deinen Hund
Fett sollte für Hunde der wichtigste Energielieferant überhaupt sein, und nicht Kohlenhydrate, wie es häufig der Fall ist.
Ein Gramm Fett liefert mehr als doppelt so viel Energie wie ein Gramm Protein oder Kohlenhydrate. Müsste dein Hund seine Energie aus Protein ziehen, würde dieser Baustein für andere wichtige Aufgaben fehlen. Und dabei würde sehr viel Ammoniak anfallen, das über die Leber und Niere abgebaut und als Harnstoff ausgeschieden werden müsste.
Fett hingegen ist „saubere“ Energie: Die Fettverdaulichkeit liegt bei gesunden Hunden oft über 90%. Es wird also sehr effizient verstoffwechselt.
Zusätzlich braucht dein Hund Fett, um die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K überhaupt aufnehmen zu können. Eine sehr fettarme Fütterung kann also zu einem Vitaminmangel führen.
Für die Energie und den Vitaminstoffwechsel eignet sich praktisch jedes tierische Fett. Dein Hund soll es nur in ausreichenden Mengen bekommen. Mehr Informationen zur den benötigten Fettmengen findest du im Artikel: Wieviel Fett braucht dein Hund?
Warum Omega-3-Öle keine Energiequelle sind
Lachs- oder Dorschöl sind natürlich auch tierische Produkte. Die empfohlene Dosierung reicht von wenigen Tropfen bis zu einem oder anderthalb Esslöffel, je nach Größe des Hundes: Diese geringen Mengen werden deinen Hund kaum mit ausreichend Energie versorgen können.
Dennoch sind marine Öle sehr wertvoll, da sie essentielle Fettsäuren liefern, die dein Hund nicht selbst effizient bilden kann: Das sind die Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure). Diese wirken entzündungshemmend, regulieren die Hautbarriere, und stellen einen wesentlichen Baustein des Nervensystems dar.
Im Artikel "Die Omega-3-Familie: Warum diese Fettsäuren so wichtig für deinen Hund sind" findest du detaillierte Informationen zur guten Versorgung deines Hundes mit Omega-3-Fettsäuren.
RATGEBER (0 €)
DarmGesundheit Ratgeber
Meine 5 besten Tipps bei Darmbeschwerden
Inkl. Tee-Rezept bei akutem Durchfall und Darmchecklist.
Fettere Fleischsorten: Die ideale Energiequelle
Die beste Energiequelle für deinen Hund ist und bleibt fetteres Fleisch. Es wird von Hunden mit einer gesunden Verdauung sehr gut vertragen und liefert ein natürliches Spektrum an gesättigten und einfach ungesättigten Fettsäuren.
Die beste Fleischsorte für deinen Hund
Eine Frage, die mir ständig gestellt wird: Welche Fleischsorte ist denn nun die richtige für meinen Hund? Soll ich lieber Huhn, Rind, Lamm oder Ziege füttern? Das lässt sich so pauschal gar nicht beantworten.
Es gibt fette und magere Teile von so gut wie jeder Tierart. Bei Rind, Lamm und Schwein gibt es genauso magere Filetstücke wie deutlich fettere Teile. Sogar beim Pferdefleisch, das generell als mager gilt, gibt es Unterschiede. Das Bauchfleisch kann bis 20% Fett enthalten, es wird aber selten angeboten.
Huhn und Pute gelten traditionell als mager. Das stimmt aber nur, wenn du reines Fleisch ohne Fett und Haut fütterst, sowie z.B. die Brust.
Als grundsätzlich mager gelten Tiere, die sich viel bewegen, wie Hasen und Kaninchen (sofern letztere nicht im winzigen Stall gehalten werden!), Ziege, Reh und Hirsch sowie exotische Sorten wie Känguru oder Strauß.
Zusammengefasst: Die Fettmenge hängt in der Regel viel mehr vom gewählten Teilstück ab als von der Tierart an sich.
Doch was tun, wenn du aus verschiedenen Gründen, wie zum Beispiel wegen einer Unverträglichkeit, Fleisch von einem eher mageren Tier füttern musst, und den Fettanteil erhöhen möchtest? Hier findest du einen Überblick über die verschiedenen Fettsorten.
Die tierischen Fettsorten im Überblick
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, zusätzliches Fett zu füttern, die alle Vor- und Nachteile haben.
Rindertalg
Rindertalg ist bei Raumtemperatur fest, geschmacksintensiv und wird meistens gerne gefressen. Du bekommst ihn problemlos im BARF-Shop, als Pulver oder in Stücken, was ihn unkompliziert in der Beschaffung und Handhabung macht.
Aufgrund seines höheren Anteils an langkettigen, gesättigten Fettsäuren wird Rindertalg langsamer emulgiert als weichere Fett, was die Verdauung ein wenig erschwert. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass du es nicht füttern sollst: Ein Hund mit einer gesunden Verdauung wird hiermit keine Probleme haben.
Schafsfett
Schafsfett hat eine ähnliche Struktur wie Rindertalg, es verströmt aber einen intensiven Geruch, den Hunde entweder lieben oder hassen.
Geflügelfett
Geflügelfett hat eine andere Fettsäuren-Struktur, die es bei identischem Fettgehalt etwas verdaulicher macht als die oben genannten festen Fette.
- Gänseschmalz wird von vielen Hunden hervorragend angenommen. Es hat einen relativ niedrigen Schmelzpunkt und ist also schon bei Körpertemperatur flüssig. Dadurch lässt es sich gut mit der Nahrung vermischen, im Napf aber auch im Magen. Es wird im Darm auch etwas leichter emulgiert und verdaut als feste tierische Fette.
Daher wird es gernein langsam steigenden Mengen in der Schonkost eingesetzt, wenn ein Hund nach einer Krankheit erst wieder an Fett gewöhnt werden muss.
Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu Schweineschmalz enthält Gänseschmalz kaum Arachidonsäure, die in größeren Mengen entzündliche Reaktionen im Körper fördern kann.
Pluspunkt für den Alltag: Reines Gänseschmalz (ohne Zusätze) ist problemlos und günstig im normalen Supermarkt zu beschaffen. - Hühnerfett ist eine sehr milde, geschmacksneutrale Fettquelle mit niedrigem Schmelzpunkt, die oft von mäkeligen Hunden angenommen wird.
- Entenfett ist eine gute Alternative, wenn dein Hund die anderen beiden nicht so gerne mag oder nicht verträgt.
Wichtig für Besitzer von Hunden, die purinarm ernährt werden müssen: Fette Geflügelhaut ist wegen ihres hohen Zellanteils absolut tabu. Wird das Fett jedoch komplett geschmolzen (wie bei klarem Hühnerfett oder reinem Gänseschmalz), enthält es keine Zellkerne mehr und ist somit praktisch purinfrei und erlaubt.
Schweineschmalz
Um Schweineschmalz hält sich hartnäckig ein alter Mythos: Es sei für Hunde gefährlich, weil es das Aujeszky-Virus übertragen könne. Das stimmt nicht, denn handelsübliches Schweineschmalz wird erhitzt, was das Virus unschädlich mach. Somit ist Schweineschmalz absolut unbedenklich und eine oft unterschätzte Option für die Energieversorgung.
Die enthaltenen gesättigten Fettsäuren liefern hocheffiziente Energie. Sofern ein sportlicher oder arbeitender Hund nicht mit fetterem Fleisch gefüttert werden kann, ist Schweineschmalz eine gute Lösung.
Ist die Entzündungsgefahr berechtigt?
Ich empfehle dennoch, Schweineschmalz mit einer anderen Fettsorte zu kombinieren, denn es enthält vergleichsweise viel Arachidonsäure. Diese Omega-6-Fettsäure ist für Hunde keineswegs grundsätzlich schädlich, sondern erfüllt wichtige Aufgaben im Körper. Problematisch wird sie erst, wenn über einen längeren Zeitraum ein deutlicher Überschuss an entzündungsfördernden Omega-6-Fettsäuren im Verhältnis zu entzündungs-regulierenden Omega-3-Fettsäuren besteht. Deshalb sollten also Hunden mit chronischen Entzündungen (Arthrose, IBD/Darmentzündung, Hautallergien) kein Schweineschmalz als Fettquelle erhalten.
Schweineschmalz ist sehr stabil, oxidiert nicht so schnell und hält sich im Kühlschrank wesentlich länger als Gänseschmalz. Es ist in jedem Supermarkt in reiner Form erhältlich und auch günstig.
Fett bei Unverträglichkeiten
Bei fertigen Fleischmischungen oder -dosen (sog. „Single-Protein") kann es vorkommen, dass gezielt Fett zugesetzt wird, um den für Hunde notwendigen Fettgehalt zu erreichen. Sollte dein Hund eine Unverträglichkeit haben, achte darauf, dass das Fett auch von diesem bestimmten Tier stammt.
Das Gleiche gilt übrigens auch bei der Frischfütterung: Achte darauf, dass das zusätzliche Fett der gefütterten Fleischsorte entspricht. Mittlerweile gibt es glücklicherweise Fettquellen von recht vielen verschiedenen Tieren zu kaufen, auch wenn die Beschaffung je nach Tierart nicht immer ganz einfach ist.
Es gibt nicht das eine perfekte Fett für jeden Hund, aber für so gut wie jede Situation eine passende Lösung.
Rindertalg und Schafsfett für den kräftigen Geschmack, Gänseschmalz für die sanfte Wiedereingewöhnung nach einer Krankheit, Hühner- oder Entenfett für mäkelige Fresser...
Welche Sorte zu deinem Hund passt, hängt weniger von starren Regeln ab als von seinem Gesundheitszustand und dem, was er tatsächlich gerne frisst.
Du möchtest deinen Hund ganz natürlich unterstützen?
In meinem neuen Buch findest du spezielle Rezepte und genaue Anleitungen, um deinem Hund bei gängigen Beschwerden auf sanfte und natürliche Art und Weise zu behandeln.
80 + Praxiserprobte Rezepte, verständlich erklärt und sicher anwendbar.
Ich unterstütze dich auch gern bei der Darmsanierung deines Hundes mit einer individuellen Betreuung.
Du möchtest eine professionelle Darmsanierung bei deinem Hund selbständig durchführen?
Weiterlesen
Diese Artikel sind sicherlich für dich auch interessant
Du hast Fragen?
Wie viel zusätzliches Fett darf ich meinem Hund täglich geben?
Das hängt von Gewicht, Aktivitätslevel und der ohnehin über das Fleisch aufgenommenen Fettmenge ab – pauschale Löffel-Angaben helfen hier wenig. Eine Berechnungshilfe findest du in diesem Artikel: #39 – Wie viel Fett braucht dein Hund?
Kann ich verschiedene tierische Fettsorten mischen oder abwechseln?
Ja, das ist sogar empfehlenswert. Durch den Wechsel bekommt dein Hund ein breiteres Spektrum an Fettsäuren, und du reduzierst das Risiko, dass sich einzelne Fettsäuren (wie Arachidonsäure bei Schweineschmalz) über längere Zeit einseitig anreichern.
Ist Hühnerfett bei purinarmer Fütterung wirklich unbedenklich?
Nur wenn es komplett rein ausgeschmolzen ist, also frei von Haut- und Zellresten. Reines, geklärtes Hühner- oder Gänsefett enthält keine Zellkerne mehr und ist damit praktisch purinfrei. Fett mit Hautanteilen ist dagegen Tabu.
Reicht Fischöl aus, um den Energiebedarf meines Hundes zu decken?
Nein. Marine Öle wie Lachs- oder Dorschöl werden nur tropfenweise bis esslöffelweise dosiert und liefern damit kaum nennenswerte Energie. Sie erfüllen eine andere Aufgabe: die Versorgung mit den wichtigen Fettsäuren EPA und DHA. Mehr dazu in #159 – Omega-3-Familie
Lust auf mehr Hundegesunheit?
In meinem Sonntagsbrief bekommst du jede Woche einfache Rezepte, hilfreiche Gesundheitstipps und spannende Geschichten aus meiner Praxis direkt ins Postfach.
Klick hier und trag dich kostenlos ein!

Meine Name ist Anne Sasson. Ich bin Tierheilpraktikerin, Ernährungsberaterin und Dozentin.
Mein Herzenswunsch? Für immer mehr Hundegesundheit zu sorgen.
Meine Vision? Jeder Hund wird individuell behandelt und nach seinen ganz speziellen Bedürfnissen gefüttert.
Mein Weg? Es sind eigentlich zwei... Hunde sanft und nachhaltig behandeln und maßgeschneiderte Fütterungpläne für sie zusammenstellen. Und mein Wissen und meine Erfahrungen an andere Menschen im Tierberuf weiterzugeben.

