Welpen impfen oder Titer messen?
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Wann und warum eine Titerbestimmung bei Welpen sinnvoll ist.

Einmal, zweimal, dreimal oder sogar viermal? Nicht nur Ersthundebesitzer, auch langjährige Hundehalter wissen oft nicht, wann und wogegen ihr Welpe geimpft werden soll.


Schauen wir uns dazu mal die hierzulande gültige Empfehlung der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut an:  Welpen sollen demnach mit 8 Lebenswochen gegen Parvovirose (P), Staupe (S), Leptospirose und ggf. gegen HCC (H) geimpft werden. Mit 12 Wochen nochmals gegen Parvovirose, Staupe, Leptospirose und ggf. gegen HCC und Tollwut. Mit 16 Wochen soll die Kombi SHP nochmals verabreicht werden. Erst nach der Wiederholung der Impfungen gilt die Grundimmunsierung als abgeschlossen.


Nach dem Gießkannenprinzip
Gleichzeitig kann man in der Impfleitlinie auch etwas weiter unter lesen, dass bei Hunden über 16 Wochen eine einmalige Impfung bei der Verwendung von Lebendimpfstoffen (SHP) ausreichend ist. Warum ist das so? Und wie passt das mit dem Grundsatz der StikoVet „Mehr Tiere impfen, das einzelne Tier so häufig wie nötig!“ zusammen?


Stichwort: maternale Antikörper!

Maternale oder mütterliche Antikörper werden hauptsächlich via Kolostrum (Erstmilch, Vormilch) vom Muttertier auf die Welpen übertragen und schützen diese in den ersten Lebenswochen vor gefährlichen Krankheiten. Diese Antikörper werden mit der Zeit abgebaut und die Welpen verlieren den Nestschutz. Gleichzeitig können diese Antikörper aber auch den Erfolg der Impfung verhindern. Da man in der Regel nicht weiß, welche Menge an Antikörpern ein Welpe erhalten hat, weiß man auch nicht, wann eine Impfung greifen kann. Aus diesem Grund wird nach dem Gießkannenprinzip bis zu viermal im Welpenalter geimpft.


Folgerichtig schreibt die StikoVet dazu:
Die Empfehlung, HCC-, Staupe- und Parvovirose-Impfstoffe bei Hundewelpen im Alter zwischen 8 und 16 Lebenswochen dreimal zu applizieren, hat nicht zum Ziel, eine ausreichende Menge an Antigen über diesen Zeitraum zur Verfügung zu stellen. Der Sinn ist vielmehr, möglichst früh den Moment abzupassen, in dem die maternalen Antikörper soweit abgefallen sind, dass das geimpfte Tier eine eigene aktive Immunität aufbauen kann [34]. Entsprechend muss bei einer Überschreitung des Impfintervalls nicht erneut mit der Dreierserie begonnen werden. Sobald davon ausgegangen werden kann, dass auch bei Tieren, die große Mengen an maternalen Antikörpern aufgenommen hatten, diese vollständig abgebaut sind (ca. nach der 16. bis 20. Lebenswoche), ist bei Verwendung von Lebendimpfstoffen eine einmalige Impfung als Grundimmunisierung ausreichend.

 


Du möchtest nicht, dass andere bestimmen, wann und wogegen dein Hund geimpft wird? Hierzu brauchst du Wissen, damit dein Hund auch bestens geschützt ist. Nach dem Online-Kurs hast du absolute Klarheit darüber, welche Impfungen er bekommen soll und wie oft. Das gilt natürlich auch für deinen Welpen.


Titerbestimmungen sinnvoll einsetzen
Bereits seit einigen Jahren stehen uns zuverlässige, kostengünstige Testverfahren zur Messung von Antikörper-spiegeln zur Verfügung, sog. semiquantitavive Tests. In einigen unserer Nachbarländer, wie z.B. den Niederlanden, aber auch in Großbritannien, sind diese Testverfahren weit verbreitet und zählen zum Goldstandard bei der Welpenimpfung. Mit Hilfe dieser Tests werden die Antikörper Parvovirose, Hepatitis und Staupe gemessen.

 

www.titertest.de

Wo können Titerbestimmungen sinnvoll eingesetzt werden?


1. Beim Welpen
Zu welchem Zeitpunkt ist die erste Impfung sinnvoll? Ist dieser Zeitpunkt bekannt, können zu frühe Impfungen vermieden werden, die durch vorhandene maternale Antikörper gestört und damit unwirksam sind.


War(en) die Impfung(en) erfolgreich? Wenn ein Welpe nach einer Impfung eine aktive Immunantwort ausgebildet hat, ist keine weitere Welpenimpfung erforderlich.


2. Beim ausgewachsenen Hund
Zur Entscheidung über Wiederholungsimpfungen: Einen seropositiven (also immunen) Hund zu impfen, hat keinen Nutzen für den Hund, sondern setzt ihn nur dem Risiko unerwünschtem Nebenwirkungen aus.


Die Österreichische Tierärztekammer schreibt in ihren „ IMPFLEITLINIEN FÜR KLEINTIERE 2017“ darüber hinaus, dass „nicht ausgeschlossen werden [kann], dass dadurch der Antikörpertiter sogar sinkt“.

 
Die ideale Vorgehensweise
Im Idealfall führt man also bereits vor der ersten Impfung, z.B. mit 7 Wochen, einen Antikörpertest durch. Vom Ergebnis wird abhängig gemacht, ab wann die Impfung sinnvoll ist und durchgeführt werden kann. Drei bis vier Wochen nach der Impfung wird über einen weiteren Titertest bestimmt, ob die Impfung erfolgreich war. Hat die Impfung wie gewünscht angeschlagen, kann beim Welpen nach ca. einem Jahr getestet werden, ob eine weitere Impfung notwendig ist. In den Niederlanden werden die Testergebnisse bereits wie Impfungen mit Gültigkeitsdauer im Impfpass vermerkt.


Beim erwachsenen Hund bietet der Titertest eine sichere und zuverlässige Methode zur Optimierung der Impfstrategie und zur Vermeidung von unnötigen Impfungen, gemäß dem Grundsatz: „Mehr Hunde schützen, ja! Den einzelnen Hund aber nur so oft wie nötig impfen!“

 

Katrin Pfannenschmid

Delphitest Gmbh

 

Quellen:
Stellungnahme zur Impfung nach Antikörperbestimmung bei Hund und Katze. Greifswald - Insel Riems 2017. Friedrich-Loeffler-Inst..
Empfehlungen zur guten Impfpraxis in der Veterinärmedizin. Greifswald - Insel Riems 2018. Friedrich-Loeffler-Inst..
Leitlinie zur Impfung von Kleintieren. Greifswald - Insel Riems 2019. Friedrich-Loeffler-Inst..
https://www.vaccicheck.nl/literatuur-voor-dierenbezitters
IMPFLEITLINIEN FÜR KLEINTIERE 2017 STAND: MAI 2017 Abteilung für Interne Medizin Klinik für Kleintiere Department für Kleintiere und Pferde Veterinärmedizinische Universität Wien Österreichische Tierärztekammer

 


Es gibt Situationen im Leben deines Hundes, in denen er besser nicht gleich geimpft werden sollte. 


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