Die Experten-Runde: Wie sinnvoll sind BARF-Profile?
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Was Fachfrauen meinen...

Empfiehlst du deinen Kunden, regelmäßig ein BARF-Profil für ihren gebarften Hund zu machen?

 

So lautete die Frage, die ich meinen geschätzten Kolleginnen stellte. Natürlich habe ich hierzu auch eine Meinung. Gerade bei einem so wichtigen Thema ist es immer eine gute Idee, den eigenen Horizont um die Erkenntnisse kompetenter Fachfrauen zu erweitern. 


Nein, ich empfehle die klassischen Barf-Profile nicht. Für mich sind hier noch zu viele Unklarheiten vorhanden bezüglich des Nährstoffgehalts im Blut. Selbst Einrichtungen, welche diese Profile anbieten, haben pdf-Dateien veröffentlicht, in denen zusätzlich zu einer Rationsberechnung geraten wird.
Ich erlebe ganz häufig, dass gerade die Barf-Profile über Angst verkauft werden. Hier wird die Angst geschürt, dass man seinen Hund mit selbst zubereiteter Nahrung (egal ob roh oder gekocht) nicht bedarfsgerecht ernähren kann. 

 

Karina Schatz

www.futter-plan.de


Ich würde niemandem dazu raten, ein Blutbild zur Kontrolle der Fütterung machen zu lassen.
Viele der gemessenen Parameter sind diesbezüglich nicht aussagekräftig. Viele Nährstoffe werden lediglich im Blut zu ihrem Speicherort transportiert, das Blutbild zeigt daher gar nicht, wie es wirklich um die Reserven von Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen bestellt ist. Außerdem ist der Körper bei Fehlversorgungen bemüht, das optimale Gleichgewicht der Nähr-stoffe so lang wie möglich zu erhalten, so dass tatsächliche Mängel oder Überversorgungen in der Fütterung erst viel zu spät im Blutbild erkannt werden können.

Viel empfehlenswerter ist es, den Futterplan von einem kompetenten Ernährungsberater durchrechnen zu lassen, um die Nährstoffversorgung des Tieres zu kontrollieren und gegebenenfalls gleich anzupassen.

 

Vanessa Rössler

www.barf-beratung.at


Gezielte Blutabnahmen sind sicherlich sinnvoll, wenn irgendwo der Verdacht auf eine Erkrankung da ist. Wird der Hund gebarft und habe ich ggf. durch Prüfung der Ernährung die Vermutung, dass da eine suboptimale BARF-Zusammensetzung dahinter stecken könnte, dann lasse ich ergänzend zum großen Blutbild ein BARF-Profil anfertigen. Aber rein präventiv in regelmäßigen Abständen halte ich davon nichts. 

 

Sonja Tschöpe

www.animal-visite.de



Die Blutwerte von Mineralien & Vitaminen sind nicht aussagekräftig
und lediglich eine Momentaufnahme, weshalb ich es nicht empfehle. Natürlich ist es durchaus sinnvoll, auf eine ausgewogene & abwechslungsreiche Fütterung zu achten und hierfür wendet man sich am Besten an einen Ernährungsberater. Denn auch Fertigfutter ist selten bis nie ausgewogen, was ich aus 10 Jahren Erfahrung sagen kann. Viel wichtiger halte ich persönlich, regelmäßig einen Blick in den Darm zu werfen. Insbesondere sagt die Darmflora viel über die Gesundheit  der Hunde aus.  

 

Jennifer-Joanne Schmid -

www.blättermagen.ch


Ich empfehle grundsätzlich, gar kein Barf-Profil machen zu lassen. Denn auch wenn das Barfprofil verspricht, Rückschlüsse auf die richtige bzw. falsche Fütterung ziehen zu können, kann es eben genau das nicht. Es liefert keine verlässlichen Aussagen zur Nährstoffversorgung Deines Hundes. Weder als Bestätigung, dass Du alles richtig machst noch als Hinweis darauf, dass Du deine Fütterung optimieren solltest. Dies liegt u.a. daran, dass der Körper sehr lange darum bemüht ist, im Blut ein Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, ganz egal wie es im Rest des Körpers aussieht. Selbst wenn Du also keinerlei Calcium zuführst, kann das Barf-Profil Dir vorgaukeln, dass bzgl. Calcium alles in Ordnung ist - das gilt ebenfalls für andere Werte wie Vitamin A und D oder Jod.

Wenn Du wissen willst, ob Du alle essenziellen Nährstoffe für Deinen Hund zuführst, dann buchst Du am besten eine Rationsüberprüfung bei einem Ernährungsberater.

 

Rebekka Diebold 

www.napfigator.de 



Nein. Es kommt aber regelmäßig vor, dass Kunden mir von dem Vorhaben berichten, ein solches BARF-Profil durchführen zu lassen. Entweder weil der Tierhalter für sich selbst diese Überprüfung wünscht oder der Tierarzt dazu geraten hat – und das oft auch einfach so, ohne ein bestehendes Problem. Ich erkläre dem Tierhalter dann die nicht vorhandene Aussagekraft dieser Untersuchung. Darüber sind die Kunden dann in der Regel sehr dankbar, weil ihnen das nicht bekannt war. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass die Kosten für ein BARF-Profil sinnvoller investiert werden können. Bei bestehenden Problemen in zielführende Diagnostik, bei allgemeiner Unsicherheit in eine Rationsüberprüfung durch einen Tierernährungsberater. Auch sollte nie vergessen werden, dass es sich bei Blutwerten immer nur um eine Momentaufnahme handelt.


Melanie Reinschmidt

www.napfvital.de


Blutwerte im einzelnen zu betrachten ist wenig zielführend, ein einzelner Wert ist immer im Kontext mit anderen zu betrachten, daher halte ich ein BARF Profil für wenig sinnvoll. Die Blutwerte die dort im speziellen angeboten werden, zB Calcium werden vom Körper möglichst immer im Gleichgewicht gehalten und sind somit wenig aussagekräftig.

Wenn aber die Hundehalter sehr große Sorge haben das ihr Hund in der Vergangenheit schlecht versorgt war, dann können wir einen Fellmineralienscreen veranlassen. Dieser zeigt ob der Mineralstoffhaushalt im Gleichgewicht ist. Und das tolle daran ist dieser komplett schmerzfrei ist und eine stressige Blutentnahme entfällt.

Ilka Hochstein 


Nein, ich rate meinen Kunden sogar vom BARF-Profil ab, da ich es für Geldschneiderei halte. Zum einen, weil man echte nahrungsbedingte Mangel viel zu spät im Blutbild erkennen würde und zum anderen, weil Blutbilder immer nur eine Momentaufnahme darstellen - für aussagekräftige Daten müsste man mehrere Blutbilder im Abstand kurzer Zeit zur Verfügung haben. Dann wären wir aber wieder bei Problem eins - der Körper versucht Mangel auszugleichen, in dem er auf körpereigene Speicher zurückgreift - sieht man Mangel also im Blut, sind in der Regel bereits andere Symptome zu sehen.

 

Kerstin Ehlen

www.canis-sano.de 


Ganz klar: Nein! Die Bestimmung der Nährstoffversorgung über das Blut ist leider nicht allzu zuverlässig. Werte wie Calcium, Zink oder Kupfer haben kaum eine Aussagekraft und können den Tierbesitzer bei falsch hohen oder falsch niedrigen Werten stark verunsichern. Im Zweifel wird dann die Fütterung drastisch angepasst (z.B. zusätzlich Vitamin A gefüttert) und es können wirkliche Probleme (wie bspw. eine Vitamin A Vergiftung) entstehen.

Wenn Tierbesitzer unsicher sind, ob das aktuelle Futter wirklich alle Bedürfnisse ihres Tieres abdeckt, rate ich immer zu einer Rationsüberüberprüfung bei einer qualifizierten Ernährungsberatung.

Sarah Ziegler
https://www.ellis-nature.com/


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