Vergiftungen: Vermeiden, erkennen & richtig handeln
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Vergiftungen: Vermeiden, erkennen & richtig handeln

 

Dein Hund frisst unterwegs alles, was er findet? Das kann manchmal ziemlich ecklig sein. Aber auch gefährlich. Hast du manchmal Angst davor, dass dein Hund böswillig vergiftet wird? Verständlich, denn leider gibt es einige Hundehasser, die bereit sind, Hunde auf diese grausame Art und Weise zu töten. Doch die Vergiftungsgefahr lauert an vielen anderen Stellen.

 

Worauf du achten solltest, erkläre ich dir in diesem Artikel.

 

Die meisten Unfälle passieren im Haushalt

 

Dieser Satz kommt dir sicherlich bekannt vor und trifft auch auf Vergiftungen zu.  Bereits zuhause hast du viele Möglichkeiten, deinen Hund vor Gefahren zu schützen.

Wusstest du, dass die häufigsten Vergiftungen bei Hunden von Pflanzenschutzmitteln, Reinigungsmitteln, Medikamenten und Pflanzen ausgelöst werden? Selbstverständlich sollten Putzmittel, Chemikalien und Arzneien sicher aufbewahrt werden. Und du solltest auch keine noch so gängige Präparate wie Paracetamol deinem Hund als Schmerzmittel geben. Diese können für ihn hochgiftig sein.

 

Vorsicht in der Küche…

 

Auch ganz simple Lebensmittel können Hunden schaden: Das sind insbesondere Kakao und Schokolade (je dunkler, desto giftiger), Avocado, Rosinen und Weintrauben, Macadamia-Nüsse und Bittermandeln. Auch Knoblauch und Zwiebeln können in großen Mengen zu Vergiftungen führen.

  

 

Schokolade und Kakao

 

Der giftige Wirkstoff in Schokolade und Kakao heißt Theobromin.

In 100 g Schokolade sind je nach Sorte 140 bis 1500 mg Theobromin enthalten.

  • Milchschokolade: ca. 200 mg pro 100 g
  • Dunkle Schokolade: ca.  500 bis 800 mg pro 100 g
  • 70% Schokolade: ca. 1400 bis 2600 mg

 

Wenn dein Hund Milchschokolade gefressen hat, dann 

  • können milde Symptome ab 10 g/ kg entstehen,
  • die kritische Menge liegt bei 30 g pro kg.  
    Bei einem Hund, der 10 kg wiegt, sind es also 100 g bzw. 300 g. 

Hat er 70%-Schokolade gefressen, dann

  • treten milde Symptome ab 1 g / kg auf,
  • die kritische Menge ist bereits bei 3 g / kg erreicht. 
    Bei einem Hund der 10 kg wiegt, sind es also 10 g bzw. 30 g Schokolade.

 

 

Was nicht jeder weiß: In vielen Lebensmittel ist der Süßstoff Xylit enthalten, der für Hunde giftig ist. Xylit wird u.a. aus der Rinde der Birke gewonnen und ist deshalb auch als Birkenzucker bekannt. Was so harmlos klingt, ist hoch toxisch und kann bei Hunden bereits in sehr geringen Dosen gefährlich sein. Warum? Anders als bei Menschen bewirkt Xylit bei Hunden einen schnellen Insulinanstieg, auf den eine starke und bedrohliche Unterzuckerung folgt. Sei also sehr vorsichtig, wenn du zuckerfreie bzw. kalorienreduzierte Lebensmittel zu Hause hast.

 

Gift auf der Fensterbank

 

Ja, zahlreiche Pflanzen sind für Hunde giftig. Glücklicherweise knabbert nicht jeder Hund unbedingt gerne Pflanzen an. Allerdings ist bei neugierigen Welpen immer die allergrößte Vorsicht geboten. Auch Hunde, die unter starkem Sodbrennen leiden, können sich mangels Gras über die Zimmerpflanzen hermachen. Die Liste der giftigen Pflanzen ist lang. Hier sind einige aufgelistet, die du häufig in Haus und Garten finden wirst.

   Giftige Pflanzen im Haus 
  • Agave
  • Azaleen
  • Christustern
  • Chrisanthemen
  • Dieffenbachie
  • Flamingoblume
  • Geranien
  • Gummibaum
  • Weihnachtsstern
   Giftige Pflanzen und Kräuter im Garten 
  • Buchsbaum
  • Fingerhut
  • Hortensie
  • Oleander
  • Rhododendron
  • Goldregen
  • Maiglöckchen

 

In guter Absicht


Manche Substanzen werden mit der Absicht verabreicht, den Hund zu schützen. Sie können dennoch eine giftige Wirkung entwickeln. Das ist der Fall bei Ivermectin, einem Wirkstoff, der in Wurmkuren enthalten ist. Ivermectin ist für Collie-artige Hütehunde, sowie für andere Hunderassen, denen  aufgrund von Mutationen das Gen MDR1 fehlt, lebensbdrohlich. Dieses Gen spielt eine wichtige Rolle für eine gut funktionierende Blut-Hirn-Schranke und schützt auch den Darm, die Leber und die Nieren vor der Aufnahme von giftigen Substanzen.

 


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 Aber was genau ist eine Vergiftung?


Eine Vergiftung oder Intoxikation findet dann statt, wenn Toxine schädigende Reaktionen im Organismus hervorrufen. Diese Substanzen können aus der Umwelt kommen, wie du in den verschiedenen Beispielen weiter oben gelesen hast. Am häufigsten werden Gifte oral aufgenommen, durch fressen, lecken oder kauen. Sie können aber auch über die Haut, die Schleimhäute oder die Atemwege in den Körper eindringen.

 

Oral aufgenommene Gifte gehen durch den Magen-Darm-Trakt und gelangen von dort aus in den Organismus. Um dies zu verhindern, wird so früh wie möglich eine Magenentleerung vorgenommen. Das sollte dem Tierarzt vorbehalten sein. 

 

Sind die Toxine bereits im Darm, eignet sich Aktivkohle, um die Toxine im Darm  zu binden. Die Gabe von Aktivkohle sollte nach mehreren Stunden wiederholt werden, da die Toxine ggf. schon über die Blutbahn in die Leber gelangt sind und anschließend wieder über die Galle in den Darm gelangen.

 

Je schneller die giftigen Substanzen ausgeschiedenen werden, umso besser. Deshalb können Maßnahmen, die die Darmpassage beschleunigen, sinnvoll sein. Hierzu ist z.B. Laktulose gut geeignet. Um die Nieren zu entlasten sollte die Trinkmenge erhöht werden.

 

Ob durch Pflanzen, Lebensmittel oder chemische Substanzen, eine Vergiftung kann schwerwiegende Folgen haben. Woran kannst du erkennen, dass dein Hund sich vergiftet hat?

Vergiftung erkennen und schnell handeln

 

Das hängt von der Art des Gifts ab. Einige führen zu Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, insbesondere zu (ggf. blutigem) Erbrechen bzw. Durchfall. Andere haben eine Wirkung auf das zentrale Nervensystem. Es werden dann neurologische Störungen wie Benommenheit und Koordinationsstörungen beobachtet.

 

 

4 Schritte, die deinen Hund retten können

 

Wenn du die Vermutung hast, dass sich dein Hund vergiftet hat bzw. vergiftet wurde, solltest du

  • Den Tierarzt sofort anrufen und informieren,
  • Alles mitnehmen, von dem du denkst, es könnte der Auslöser der Vergiftung sein, 
  • Den Tierarzt fragen, ob du bereits Aktivkohle geben sollst. Diese solltest du immer in der Hausapotheke haben.
  • Schnell hinfahren.

 

Du kannst auch die Vergiftungszentrale anrufen, und nach einem Antidot fragen. Es gibt sie allerdings nur in den seltensten Fällen und es ist auch fraglich, ob dein Tierarzt das Antidot überhaupt vorrätig hat.

 

Vergiftung mit Rattengift

 

Ich kann mich noch sehr gut an den Fall einer Kollegin erinnern. Ihr Hundepatient hatte Rattengift gefressen, zeigte aber überhaupt kein Erbrechen. Er hatte lediglich etwas Gras gefressen, sein Appetit war aber unverändert gut. Sehr auffällig hingegen war die plötzliche Verschlechterung seines Allgemeinbefindes: Der quicklebendiger Hund wurde über Nacht zur absoluten Schlaftablette. In diesem Fall konnte sich die Besitzerin zum Glück daran erinnern, dass der Hund etwas am Wegesrand gefressen hatte, so dass der Verdacht auf Cumarinvergiftung (Rattengift) bald im Raum stand. Umso schneller konnte gehandelt werden und der Hund wurde gerettet.

Eine Geschichte mit Happy End, die aber nicht darüber hinweg täuschen sollte, dass es nicht immer so glimpflich ausgeht. Räume also alles weg, was giftig sein kein, und verschließe Putzmittel- und Arzneischränke. Achte darauf, dass keine gefährliche Lebensmittel herumliegen, überlege genau, was du in deinem Garten pflanzt bzw. mit welchen Pflanzen du deine Wohnung schmückst. Du kannst mit dem Hund trainieren, dass er draußen nichts aufnimmt (Anti-Gift-Köder-Training), oder ihn behutsam und positiv an einem Maulkorb gewöhnen. So bist du bestens vorbereitet, und es wird deinem Hund nichts passieren.

 


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Meine Name ist Anne Sasson. Ich bin Tierheilpraktikerin, Ernährungsberaterin und Dozentin. 

Mein Herzenswunsch?  Für immer mehr Hundegesundheit zu sorgen.
Meine Vision? Jeder Hund wird individuell behandelt und nach seinen ganz speziellen Bedürfnissen gefüttert.
Mein Weg? Es sind eigentlich zwei... Hunde sanft und nachhaltig behandeln und maßgeschneiderte Fütterungpläne für sie zusammenstellen. Und mein Wissen und meine Erfahrungen an andere Menschen im Tierberuf weiterzugeben. 

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