Pro & Contra: Soll dein Hund wirklich fasten?
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Welche Vor- und Nachteile hat Fasten bei der Entgiftung?

 

Beim Thema „Fasten bei Hunden“ gehen die Meinungen stark auseinander. Hundemenschen, die ihre Hunde frisch füttern, wird oftmals empfohlen, einen Fastentag in der Woche einzuplanen. Sicherlich hast du auch schonmal gehört oder gelesen, dass dein Hund mindestens einen Tag fasten sollte, wenn er Durchfall oder Erbrechen hat. Früher war der Nahrungsentzug sogar ein fester Bestandteil der Therapie bei Bauchspeicheldrüsenentzündung (ist heute zum Glück nicht mehr so!).

Wie sieht es bei der Entgiftung aus?  Fasten soll den Prozess der Entgiftung erst richtig einleiten. Stimmt das? Und ist es wirklich sinnvoll, deine Hunde über mehrere Tage nicht zu füttern?

 

Eine, die auf Fasten schwört

 

Ich hatte kürzlich ein Buch von Juliette de Bairacli Levy wieder in den Händen. Juliette de Bairacli Levy war eine große Verfechterin der Naturheilkunde für Hunde. Sie wurde in 1912 in England geboren, ihre familiären Wurzeln liegen aber in Ägypten und in der Türkei. Als absolute Hundeliebhaberin studierte sie Tiermedizin. Sie brach das Studium jedoch ab, weil sie sich mit den Ansichten der Schulmedizin nicht anfreunden konnte. Sie interessierte sich viel mehr für die Naturheilkunde und wurde dadurch berühmt, dass sie mit natürlichen Methoden große Erfolge in der Behandlung von Staupe hat.

 

Sie züchtete afghanische Windhunde nach dem Prinzip des „natural rearing“ (natürliche Aufzucht) und war eine einzigartige Vorreiterin auf ihrem Gebiet. Ihr „Kräuterhandbuch für Hund und Katze“ ist bedauerlicherweise nur noch im Antiquariat erhältlich.

 

Ihre empfohlene Reinigungbehandlung – also das, was wir heute sicherlich Entgiftungskur nennen würden – begann immer mit mindestens zwei Fastentagen. An diesen beiden Tagen sind nur Wasser und etwas Honig oder Apfelsaft erlaubt.

 

Schadet Fasten der Gesundheit deines Hundes?

 

So begründete Juliette de Bairacli Levy ihre Vorgehensweise: In der Fastenzeit ist der Körper des Hundes nicht mit Verdauungsprozessen beschäftigt und kann sich voll und ganz auf die Ausscheidung der Gifte und Toxine konzentrieren.

Darüber hinaus wird beim Fasten überschüssiges Fett abgebaut. Da viele Toxine im Fettgewebe eingelagert sind, werden diese durch die Verstoffwechselung des Fetts automatisch „verbrannt“.

 

Gesundheitlich gesehen können Hunde ziemlich lange ohne feste Nahrung auskommen, solange sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Grundsätzlich stellen also zwei Fastentage keine gesundheitlich bedenkliche Maßnahme dar. 

Juliette de Bairacli Levy ging sogar einen Schritt weiter. Sie empfahl, dem Hund in der Entgiftungszeit Abführmittel zu geben, damit es dem Darm noch leichter fallen würde, alle Schleimablagerungen auszuscheiden. So könnten man den Prozess intensivieren und beschleunigen.

 

Was bei einer Fastenkur nach Juliette de Bairacli Levy nicht fehlen darf, sind sog. Kräuterpillen, die aus Kamille, Thymian, Raute, Gewürznelke und Ingwer in Pulverform bestehen und mit Honig zu Kügelchen geformt werden, die dem Hund verfüttert werden.

Nach der Fastenzeit bekommt der Hund erstmal einen Brei aus Ziegenmilch und Haferflocken, bevor er nach und nach wieder wie gewöhnlich gefüttert wird (wobei Juliette de Bairacli Levy nicht von Fertigfutter ausgeht).

 

Würden Wölfe wirklich fasten?

 

Tieren, denen es schlecht geht, fasten instinktiv und es ist auch nicht unbedingt sinnvoll, sie dann zum fressen zu zwingen. Es ist nicht ganz klar, ob Haushunde im Laufe ihrer Domestikation diesen Instinkt vollständig beibehalten haben. Du hast aber sicherlich schon beobachtet, dass dein Hund auf Futter verzichtet oder zögerlich frisst, wenn es ihm schlecht geht. Nicht nur, weil er die Futterkiste geplündert hat, sondern auch bei seelischem Unwohlsein.

 

Beim Fasten als Entgiftungsmethode gehen die Meinungen stark auseinander. Es ist klar, dass mit der Nahrungskarenz der Darm irgendwann keine Nahrungsreste mehr enthalten wird. Es ist aber umstritten, ob das ausreicht, um die Schleimablagerungen und Toxinen auszuscheiden. Der Hund müsste viel länger als 24 oder 48 Stunden fasten, um über diesen Weg tatsächlich zu entgiften.

Am Entgiftungsprozess ist ja nicht nur der Darm beteiligt, sondern auch die Leber in erheblichem Maße sowie die Nieren, die Lungen und die Haut.

 

Das häufig angebrachte Argument, dass Wölfe auch nicht jeden Tag fressen würden, konnte mich noch nie überzeugen. Vielmehr glaube ich, dass ein gesunder Wolf lieber täglich Beute machen und diese dann auch gern verspeisen würde. Er würde dann sicherlich nicht freiwillig einen Fastentag einlegen.


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Wenn du wissen möchtest, was ich darüber denke

 

Und hier ist für mich genau der Knackpunkt: Wenn dein Hund freiwillig die Nahrung verweigert, weil es ihm zwischenzeitlich nicht gut geht, dann ist es in der Regel unbedenklich und auch nicht notwendig, ihn zum fressen zu zwingen.

Bedenklich hingegen finde ich gezwungenes Fasten als Einleitung einer Entgiftungskur. Zwar nicht, weil sie deinem Hund gesundheitlich schaden würde, sondern weil er sich nicht freiwillig dazu entschlossen hat. Und wie könntest du ihm dies verständlich erklären?


Ihm die Nahrung vorzuenthalten, empfinde ich als einen Vertrauensbruch. Dein Hund bekommt täglich sein Futter und er verlässt sich hundertprozentig darauf, dass du auch täglich dafür sorgen wirst. Und plötzlich soll es nur noch Wasser und etwas Honig geben? Ich mag mir persönlich gar nicht vorstellen, was da in seinem Kopf abgeht.


Ich möchte meine Hunde nicht fasten lassen, außer sie entscheiden sich selbst dazu. 

 

Wie du die DETOX-Kur für deinen Hund sanft einleiten kannst

 

Es ist absolut sinnvoll, um den Entgiftungsprozess einzuleiten, deinen Hund leichte und hoch verdauliche Kost anzubieten. Hierzu eignet sich die berühmte Moro-Suppe perfekt. Sie besteht aus sehr lange gekochten Möhren und Hähnchen. Bei uns gibt es dazu noch sehr weich gekochten Reis. Diese leichte Kost belastet die Verdauungsorgane nicht, was sehr gut für die anschließende Entgiftung ist.

 

In meinen Augen geht eine wirksame Entgiftungskur nicht zwingend mit strengen Maßnahmen einher. Viel wichtiger finde ich es, klare Ziele zu haben und diese mit entsprechenden Mitteln zu verfolgen. Die wichtigsten Etappen dabei sind

  • Die Toxine im Darm zu binden
  • Die Leber zu unterstützen
  • Die Nierentätigkeit sanft anzuregen

 

Kurzum: DETOX mit System

 

Um sicher zu gehen, dass alle Ziele erreicht werden, ist es ganz sinnvoll, naturheilkundliche Mittel so auszuwählen, dass sie sich ergänzen.  Das könnte zum Beispiel eine Kombination aus

  • Huminsäuren
  • Mariendistel und
  • Brennnessel sein.

Oder aus

  • Zeolith
  • Löwenzahn
  • Queckenwurzeln (Schließgraswurzeln)

Im Handel sind sehr viele verschiedene Präparate erhältlich. Doch manchmal genügen herkömmliche Küchenkräuter oder solche, die du ganz einfach sammeln kannst.

 

Viel wichtiger als regelmäßiges (oder gelegentliches) Fasten ist es also, deinen Hund kontinuierlich dabei zu unterstützen, ein starkes Immunsystem zu haben. Die DETOX-Kur ist hierfür der erste Schritt – und sie sollte meiner Meinung nach ohne Nahrungsentzug erfolgen.

 

Die Entgiftungskur ist also nicht als isolierte Maßnahme zu sehen, die du einmal im Jahr durchführst. Viel mehr ist sie ein Bestandteil der ganzheitlichen Fürsorge für deinen Hund, die weit darüber hinaus geht. Dazu zählt eine artgerechte, ausgewogene und abwechslungsreiche Fütterung, den Blick auf  seine gute Darmgesundheit, die Vermeidung von Schadstoffen und von Stress: Alles zusammen ist die beste Garantie für ein starkes und widerstandsfähiges Immunsystem.

 



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Meine Name ist Anne Sasson. Ich bin Tierheilpraktikerin, Ernährungsberaterin und Dozentin. 

Mein Herzenswunsch?  Für immer mehr Hundegesundheit zu sorgen.
Meine Vision? Jeder Hund wird individuell behandelt und nach seinen ganz speziellen Bedürfnissen gefüttert.
Mein Weg? Es sind eigentlich zwei... Hunde sanft und nachhaltig behandeln und maßgeschneiderte Fütterungpläne für sie zusammenstellen. Und mein Wissen und meine Erfahrungen an andere Menschen im Tierberuf weiterzugeben. 

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